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Pressefreiheit in Uganda – Drei Fragen an unseren Gastforscher Prof. Dr. William Tayeebwa

Prof. Dr. William Tayeebwa von der Makerere University in Kampala, Uganda, verbringt zurzeit als Gambrinus Fellow der TU Dortmund einen Forschungsaufenthalt am Lehrstuhl Internationaler Journalismus des Instituts für Journalistik. Anlässlich des Internationalen Tags der Pressefreiheit am 3. Mai haben wir ihm drei Fragen zur Situation der Pressefreiheit in Uganda und anderen afrikanischen Ländern gestellt.

 

In der heute veröffentlichten Rangliste der Pressefreiheit 2023 von Reporter ohne Grenzen, die die Situation für Journalist:innen und Medien in 180 Staaten vergleicht, liegt Uganda auf Platz 133. Was sind die größten Gefahren für die Pressefreiheit in dem Land?

Neben Reporter ohne Grenzen gibt es mit dem Human Rights Network for Journalists-Uganda auch eine lokale Organisation, die seit 2011 regelmäßig die größten Bedrohungen für die Pressefreiheit im Land auflistet. Als größte Bedrohung wird immer wieder der staatliche Sicherheitsapparat aufgeführt, insbesondere die Polizei, die Journalisten vor allem bei politischen und anderen öffentlichen Ereignissen wie friedlichen Demonstrationen brutal zusammenschlägt – offensichtlich auf Anweisung der Regierung. Als weitere offene und direkte Bedrohung werden häufig lokale Regierungsbeamte genannt, insbesondere die Resident District Commissioners (RDCs), die für die Exekutive Aufsicht über das ganze Land ausüben.

Die heimtückischere Bedrohung ist jedoch die Selbstzensur, die im Laufe der Zeit in den Herzen und Köpfen der Journalisten entsteht und dazu führt, dass viele Geschichten unerzählt bleiben. Im Laufe der Zeit hat sich der Raum für Diskussionen über relevante Themen wie Menschenrechte, soziale Gerechtigkeit, Regierungsführung und Demokratie deutlich verringert.

 

Was kann getan werden, um die Pressefreiheit und unabhängige Medien in Uganda und in anderen afrikanischen Ländern zu stärken?

Auf der Makroebene kann kaum etwas getan werden, da der Extremismus der Regierung und andere Steuerungen, wie z. B. durch Werbetreibende, immer stärker werden. Das Beste, was man tun kann, ist, Kooperationen zwischen afrikanischen und westlichen Medien zu bilden, um sicherzustellen, dass Geschichten, die in afrikanischen Ländern zensiert würden, auch erzählt werden. Solche Initiativen wie Media Action Africa der BBC oder Africa Investigates von Al Jazeera sind im Kommen. Auch die DW (Deutsche Welle) hat Programme wie Eco Africa, die über innovative Best Practices auf dem Kontinent im Bereich des Umweltschutzes und des Klimawandels berichten. Auch die sozialen Medien haben einen positiven Effekt. Wenn herkömmliche Kanäle durch die Vereinnahmung und die Kontrolle durch Staat und Wirtschaft geschlossen werden, finden die Afrikaner neue innovative Wege, um ihre Geschichten zu erzählen. Das ist für mich sehr beruhigend.

 

Sie haben zu Radiosendern in friedenserhaltenden Missionen der Vereinten Nationen und zu konfliktsensitivem Journalismus in Afrika geforscht. Können solche Formate zur Stärkung der Pressefreiheit beitragen?

Der afrikanische Kontinent wird immer noch von bewaffneten Konflikten geplagt. Der jüngste und schockierendste ist der eskalierende Konflikt im Sudan, der Mitte April ausbrach. In solchen Situationen können nur supranationale Organisationen wie die Vereinten Nationen und regionale Organisationen wie die Afrikanische Union eingreifen. Wo auch immer sie tätig sind, brauchen sie Kommunikationsmittel, um die Menschen mit gezielten Botschaften zu erreichen, aber auch um unparteiische Kanäle bereitzustellen, in denen alle Parteien offene Diskussionen führen können, um eine gemeinsame Basis zu finden. Die von UN-Missionen und anderen Akteuren wie der Fondation Hirondelle und Search for Common Ground betriebenen Radiosender bieten Plattformen, die frei von staatlicher Kontrolle oder der Vereinnahmung durch Unternehmen und andere Interessen sind. Sie stärken in der Tat die Pressefreiheit und andere Freiheiten.

 

Prof. Dr. William Tayeebwa von der Makerere University in Kampala, Uganda. Foto: privat

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