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Das deutsch-französische Seminar in Straßburg bot eine Woche (11.-17.3.07) lang ein Intensivprogramm zur Hirnforschung. Studierende aus Dortmund und Straßburg hatten die Gelegenheit, nicht nur aktuelle Forschungsergebnisse aus erster Hand zu erfahren, sondern auch geladene Experten aus beiden Ländern zu interviewen, neurobiologische Labors zu besuchen und das frisch Gelernte – oft in Nachtarbeit – journalistisch umzusetzen.
 
Von A wie Alzheimer bis W wie Wille

Das Programm umfasste eine Vielfalt neurobiologischer Themen, etwa Hirnerkrankungen, Mechanismen beim Lernen oder auch philosophische Fragen nach dem freien Willen. Jack Foucher, Gastwissenschaftler an der Université Louis Pasteur in Straßburg, führte in die Geschichte der Hirnforschung ein. Simone Cardoso de Oliveira von der Universität Freiburg erklärte Grundlegendes zur Organisation und Funktion verschiedener Hirnareale. Der Virologe Hermann Schätzl von der TU München erläuterte, warum Prionen, die Erreger von BSE und Creutzfeldt-Jakob-Erkrankung, so einzigartig und schwer kontrollierbar sind. Armin Giese vom Zentrum für Neuropathologie und Prionenforschung in München berichtete über Gemeinsamkeiten von Prionen- und Demenz-Erkrankungen wie etwa Alzheimer. Er erklärte, warum Prionen auch dann noch eine Bedrohung darstellen, wenn torkelnde Rinder keine Schlagzeilen mehr machen.
 
Wie Kinder sprechen lernen, warum das spätere Erlernen einer Fremdsprache so viel schwieriger ist und wie Patienten nach einem Schlaganfall das Sprachvermögen zurückgewinnen, waren die Themen der Psychologin Julia Reinholz von der Universitätsklinik Münster. Der Philosoph Michael Pauen von der Universität Magdeburg bezog Stellung in der Diskussion um den freien Willen, den einige prominente Neurowissenschaftler in Frage stellen: Zwar ginge es im Gehirn durchaus mit rechten, naturgesetzlichen Dingen zu, betonte Pauen, dennoch sei die Willensfreiheit keine Illusion.

Kulturelle Unterschiede im Wissenschaftsjournalismus

Beispielhaft wurden an diesem Punkt die Unterschiede in den Wissenschaftskulturen deutlich: Während in Deutschland in Wissenschaft und interessierter Öffentlichkeit seit Jahren eine lebhafte Debatte um die Existenz des freien Willens geführt wird, erschien den französischen Seminarteilnehmern dieses Problem eher exotisch. So öffnete diese deutsch-französische Veranstaltung einerseits den Horizont für neue Fragen, zeigte andererseits aber auch: Nicht alles, was im eigenen Land die Gemüter erhitzt und die Medien beschäftigt, wird anderswo in gleichem Maße wichtig genommen.

Unterschiede und Gemeinsamkeiten in der journalistischen Umsetzung solcher Themen wurden in einer abschließenden Soirée mit Wissenschaftsjournalistinnen aus Frankreich, der Schweiz und Deutschland diskutiert.

Letzte Aktualisierung ( 02.01.2008 )
 
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Lehrstuhl Wissenschaftsjournalismus | Institut für Journalistik | Universität Dortmund