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Claus Weihs: Mahnungen eines Statistikers Drucken E-Mail
 
Datenanalyse ist keine einfache Angelegenheit. Das wissen vor allem die, die sich damit auskennen - die Statistiker. Statistiker ist ein Beruf, für den es an der Universität Dortmund einen eigenen Studiengang gibt. Und so lag es nahe, Professor Claus Weihs einzuladen, den Inhaber des Lehrstuhls Computergestützte Statistik. Der promovierte Mathematiker leitet den Lehrstuhl an der Universität Dortmund bereits seit 1995 und forscht unter anderem an explorativer Datenanalyse.
 
Daten in Medien häufig fehlinterpretiert

Claus Weihs zeigte große Skepsis gegenüber Journalisten, die mit Datenbanken arbeiten, sie im Alleingang auswerten und daraus eine Geschichte machen wollen. Bevor Journalisten komplizierte Daten analysieren, müssten sie erst einmal lernen, diese richtig einzuschätzen und zu deuten. Zu häufig würden die Medien falsche Schlussfolgerungen aus Statistiken ziehen oder die Zahlen zumindest missverständlich darstellen. „Ich zweifle nicht an den Zahlen, sondern an deren Interpretationen, die ich in den Zeitungen lese“, so Weihs.

Wir Seminarteilnehmer hörten diese Vorwürfe natürlich nicht gerne, sahen aber dennoch die Probleme. Holger Wormer, Seminarleiter und Inhaber des Lehrstuhls Wissenschaftsjournalismus, betonte, es sei wichtig, dass Journalisten wenigstens die Qualität und Aussagekraft von Datenbanken einschätzen können. „Erkennt ein  Journalist zumindest, dass eine Statistik Müll ist, auf die sich Politiker berufen, ist das schon eine große Story“, sagte Wormer. 

Statistiker zu Rate ziehen

Die weitere Erörterung zeigte: Es kommt auf die Zusammenarbeit an. Journalisten müssen Statistiker bei ihren Datenanalysen zu Rate ziehen, um sich zu vergewissern, dass ihre Interpretationen Hand und Fuß haben. Wissenschaftler ihrerseits sollten stärker in die Öffentlichkeit treten und zum Beispiel Journalisten auf Fehlinterpretationen von Statistiken aufmerksam machen. „Dass die Pressefreiheit und die Freiheit der Wissenschaft in einem Paragraphen stehen, ist doch schon ein Zeichen dafür, wie wichtig die Zusammenarbeit ist“, schloss Holger Wormer. Claus Weihs legte bezüglich der Zusammenarbeit Wert darauf, dass Journalisten ihn als Statistiker auch verstehen und sich mit Fachbegriffen auskennen.

Der angeregte Meinungsaustausch zwischen Statistikern und (angehenden) Journalisten beseitigte anfängliche Unstimmigkeiten und Vorbehalte. So waren wir uns am Ende alle einig: CAR als modernes Journalisten-Werkzeug ist gut, aber es ersetzt nicht die Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern.
 
Inka Reichert 




Letzte Aktualisierung ( 01.10.2007 )
 
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Lehrstuhl Wissenschaftsjournalismus | Institut für Journalistik | Universität Dortmund