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Strahlend weißes Pulver Drucken E-Mail
Zu Besuch in Deutschlands einzigem Uran-Anreicherungswerk 
 
Hinter den Mauern der Urenco Deutschland GmbH liegt ein gut gehütetes Geheimnis: Die Anlage in Gronau ist die einzige in Deutschland, in der Uran angereichert werden kann – mit Hilfe von Zentrifugen, deren Bauplan unter Verschluss liegt. Aus gutem Grund: Mit dieser Technik kann neben Brennstoff für Kernkraftwerke auch Material für Atombomben produziert werden. Für Quarks & Co hat das Gronauer Werk seine Türen geöffnet – bis zu einem bestimmten Punkt...

Bei aller Kernkraft geht es bei Urenco nicht ohne Muskelkraft: Die Mitarbeiter legen mit dem Fahrrad die vorgeschriebenen Sicherheitsabstände zwischen den riesigen Hallen zurück. Neben den vielen Fahrrädern fällt noch etwas anderes auf: LKW und Güterzüge liefern Stahlcontainer an, gefüllt mit einem weißen Pulver. Auf den ersten Blick lässt sich dieses kaum vom fertigen Endprodukt unterscheiden: Beides sind Uranverbindungen – mit ein wenig geänderter Zusammensetzung. Aber sie ist entscheidend.
 
Wer den Weg des Pulvers verfolgen will, darf sich an der ersten Tür nicht abschrecken lassen. Hier warnt ein Schild vor Radioaktivität. Heinz-Jürgen Abt, Leiter der Abteilung Analytik, verteilt blaue Kunststoffkittel an die Besucher und streift sich selbst einen weißen Kittel über. Vor Radioaktivität schützten sie nicht. "Die Kittel sind ein Relikt aus der Anfangsphase", erklärt Abt.
 
In der fast Fußballfeld großen Halle herrscht leichter Unterdruck. Bei einem Störfall soll so Luft von außen nach innen strömen, damit möglichst keine strahlenden Substanzen entweichen. Diese befinden sich fest verschlossen in Behältern von drei Metern Durchmesser, die mit ihren Luken an U-Boote erinnern. In diesen Autoklaven wird das weiße Pulver – eine Uran-Fluor-Verbindung – erhitzt, bis daraus ein Gas wird. Der Grund: Bei einem Gas reichen schon minimale Gewichtsunterschiede aus, um es in seine Bestandteile zu zerlegen, und nur aus dem Uran-Isotop Uran-235 kann durch Kernspaltung Energie gewonnen werden. Im natürlichen Uran kommt neben Uran-235 jedoch vor allem das schwerere Uran-238 vor. Durch den Umweg über Gas wird in Gronau der Anteil des leichteren Uran-235 erhöht – es wird angereichert.   Dies geschieht in der nächsten Halle, dem Herzstück des Werks. Als Heinz-Jürgen Abt die Tür öffnet, wird ein ohrenbetäubendes Piepsen laut. Reihe an Reihe drehen sich zehntausend deckenhohe, glänzende Metallzylinder – die Zentrifugen. Das penetrante Piepsen entsteht durch ihre schnellen Rotationen. Wie schnell sie sich genau drehen, ist jedoch geheim.
 
Während kein Besucher diese Räume betreten darf, gelangt die gasförmige Uranverbindung über Rohre in die Zentrifugen. Darin werden die schweren Uran-Isotope durch die schnelle Umdrehung nach außen gedrängt. Saugt man das Gasgemisch aus der Mitte ab, ist der Anteil des leichteren Uran-235 im abgesaugten Gemisch also ein wenig höher als im Ausgangsprodukt. Damit das Endprodukt ein Kernbrennstoff wird, muss der Vorgang oft wiederholt werden: 1000 Zentrifugen sind dazu hintereinander geschaltet. Danach liegt der Anteil des Uran-235 zwischen 4 und 5 Prozent; bei natürlichem Uranerz aus Bergwerken ist er nur 0,7 Prozent hoch.
 
Zum Bau einer Atombombe müsste das Uran-235 jedoch zu 80 Prozent angereichert werden, was prinzipiell mit der gleichen Technik wie hier in Gronau möglich wäre – ein Grund dafür, warum Atomanlagen in Ländern wie dem Iran aktuell so umstritten sind.
 
Das Produkt, das das Urenco Werk wieder verlässt, eignet sich jedoch nur für Kernkraftwerke. Das Quarks-Team muss vor dem Verlassen des Werkes indes noch eine letzte Kontrolle über sich ergehen lassen: Die Hände werden dazu auf ein Messfeld gedrückt. Zehn Sekunden später leuchten die erlösenden Worte auf: "Keine Kontamination".
 
Kerstin Artz, Jan-Henner Reitze
 
 
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Sendung vom 11. April 2006, WDR 
Letzte Aktualisierung ( 16.06.2006 )
 
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Lehrstuhl Wissenschaftsjournalismus | Institut für Journalistik | Universität Dortmund